Loading...

Fridays for Future – Die Ansichten eines alten Sacks!

Was mich etwas sprachlos macht.
Home / My opinion / Fridays for Future – Die Ansichten eines alten Sacks!

Mein Sohnemann hat sich am Freitag der Initiative „Fridays for Future“ angeschlossen. Nachdem Gideon unbedingt teilnehmen wollte musste ich mich auch erstmal genauer mit „Fridays for Future“ beschäftigen und kam zu dem Ergebnis, dass er hier gerne seine Stimme mit erheben darf. Es war aber auch für mich der Anlass, genauer nachzudenken was die Kids so machen. Kurzentschlossen bin auch ich bei der Demo in München mitgelaufen und habe versucht, Stimmungen einzufangen und mir meine eigene Meinung direkt vor Ort zu bilden.

Natürlich können und dürfen wir über den Grund der Demo ausgiebig diskutieren. Ist es mit dem Klima wirklich so schlimm? Brauchen wir Fahrverbote? Wie geht es mit Mobilitätskonzepten in die Zukunft? Kohle, Kernkraft oder alternative Energiequellen? Wohin führt uns der weltweite Raubbau an unserem Lebensball?

Sollte aber der einzelne meiner Generation auf die Idee kommen, dass wir vielleicht doch nicht so weitermachen können – warum werden dann unsere Kinder aufgrund ihrer Meinung von vielen immer wieder angefeindet? Ich höre dabei eigentlich nichts zum eigentlichen Thema sondern nur „Schulschwänzer“.

Meine ehrliche Meinung zum Klimaschutz und zur Zukunftspolitik? Wir (ausdrücklich auch ich) als Generation haben es verpennt, aktiv zu werden und haben uns schön (sorry) den Arsch plattgesessen.

Und dann gibt es immer wieder Mitmenschen auf der Straße und den sozialen Netzwerken mit Aussagen wie: „Die sollen doch lieber mal ihr Handy weglegen.“ oder „Die sitzen ja nur zuhause rum und gehen gar nicht mehr in die Natur.“ Vielleicht sollte sich jeder mal an die eigene Nase fassen. Leider durfte ich miterleben, dass die sogenannten „Schulschwänzer“ von den älteren Generationen regelrecht angefeindet wurden. Unverständnis wäre ja noch nachvollziehbar – aber es war fast schon Hass bei einigen Passanten wahrzunehmen. Warum haben wir keinen Willen zur Diskussion mit unseren Kindern?

Wollen wir uns mal ein bisschen an unsere Jugend zurückerinnern.

Auch bei uns gab es schon viele Zeitgenossen, welche sich dem Gameboywahnsinn zugetan zeigten oder in den Sommerferien lieber einen gelben Punkt namens „Zini“ im Ferienprogramm anglotzten als um 8 Uhr im Freibad zu sein. Später in der Jugend waren es oft schön getunte Autos und ein Leck-mich-am-Arsch-Gefühl. Und das ganz ohne Smartphone in den 70ern, 80ern und 90ern. Tschernobyl interessierte uns eigentlich nicht die Bohne …. wir haben es zwar nicht verbockt aber wirklich was gemacht …. hmmm, denkt mal nach.

Darum bin ich wirklich froh, dass die heutige Jugend aller Widrigkeiten zum Trotz aufsteht und einfach mal was sagt. Inzwischen werden unsere Kids auch von der Wissenschaft unter dem Namen „Scientists4Future“ unterstützt. Es ist also doch ein Thema über das wir Nachdenken und diskutieren sollten, dabei ist ausdrücklich jede Meinung zum Thema erlaubt. Nur die Diskriminierung unserer eigenen Kids als „dumme Schulschwänzer ohne Meinung“ ist wirklich ohne jedes Niveau – zeigt aber gerade wie wir in Deutschland mit unseren Nachfahren umgehen.

Jetzt aber zur eigentlichen Veranstaltung.

Natürlich kann ich das Ganze nur sehr eingeschränkt aus meinem direkten Umfeld beurteilen und daher keine repräsentativen Aussagen liefern. Aber als Papa und (nicht unvoreingenommener) Photojournalist habe ich die Demo begleitet und konnte mir so ein ganz gutes Bild der Teilnehmer verschaffen.

Als Eltern wollten wir auch nicht, dass das „Schulfrei“ im Mittelpunkt steht. Gideon musste uns in einem kleinen Übungsaufsatz Argumente für die Teilnahme liefern. Auch war es klar, dass der versäumte Unterrichtsstoff nachzuholen ist. Am Tag der Demo wurde nicht etwa ausgepennt sondern zumindest an der ersten Unterrichtsstunde teilgenommen. Danach ging es mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) – Auto wäre wirklich blöd gewesen – nach München.

Über 10.000 Schüler liefen mit ihrem Anliegen bei ca. 5 Grad und Dauerregen 3 Stunden vom Odeonsplatz zur Theresienwiese, dem Treffpunkt der Abschlußveranstaltung. In der Schule wäre es bestimmt kuscheliger gewesen. Hätte es an diesem Tag eine Ex gegeben wäre ein „Ungenügend“ in den Noten gelandet. Des weiteren geht es am Wochenende ans Nachlernen gepaart mit 1,5 Std. Nachsitzen in der darauffolgenden Woche.

Ganz ehrlich … die Teilnahme an der Demo ist somit sicherlich kein Hängematten-Tag sondern mit einer Reihe von Pflichten, Entbehrungen und mit viel Nachdenken und -lernen verbunden.

An dieser Stelle möchte ich aber auch ganz klar sagen, dass es (leider wie immer) einige Vollpfosten gibt, welche sich mit Bierflaschen und ohne Plan unter solche Demos mischen. Da schwillt sogar auch mir der Hals fast bis zum Platzen. Leider betrifft das eben nicht nur die Welt der Großen sondern auch Kids und Jugendliche – Deppen gibt es überall!

Was mich etwas sprachlos macht. Die Medien! Die Politik!

Über 100 Länder – In München waren über 10.000 Schüler auf der Straße, weltweit über 300.000 – und wen interessiert es? Die Medien scheinbar nicht.

Über jeden Furz, zehn Gelbwesten in Toulouse oder drei braune Hackfressen in irgendeinem Provinzkaff, gibt es ausführliche Berichte. Unsere Kinder verdienen scheinbar keine Aufmerksamkeit. Klar gab es in den öffentlich-rechtlichen Medien vereinzelt Kurzberichte aber wie wäre es mal mit einem Brennpunkt oder einem Bericht zur Primetime (und das nicht nur im Kinderkanal). Das größte deutsche Boulevardblatt verweigert sich online komplett zu dem Thema.

Und die Politik, na ja – nur ein Beispiel. Unser Bundespräsident fliegt (!) von Berlin nach Neumünster um den dort protestierenden Schülern zu sagen wie wichtig „Fridays for Future“ ist …. finde den Fehler. Andere Politiker lassen sich am besten gar nicht sehen oder sind der Meinung, dass die Jugend nicht genug Wissen hat … zum Glück unterstützt die Wissenschaft jetzt ausdrücklich das Anliegen unserer Kids. #sienceforfuture.

Die große Politik und scheinbar auch der Journalismus ist in der Gesamtheit also immer noch schwer von Begriff. Das ist übrigens überwiegend meine Generation, ich sag nur Zini, das Wuslon …

Schulen und Schulleitung in Not!

Wie reagieren jetzt Schulen auf das unerlaubte Fernbleiben? Unsere Schule zum Glück sehr reflektiert. Leider werden aber Schulleitung und das gesamte Kollegium hier im Regen stehen gelassen. Während unsere Bundeskanzlerin das Ganze eher befürwortet stehen Kreisverwaltungsämter und Regionalregierung auf dem Standpunkt der kompletten Ablehnung mit allen Folgen. Entscheidungen bleiben auch hier mal wieder an Einzelnen hängen! Schade eigentlich.

 

Fazit, kurz und bündig! –>Danke, dass ihr was tut – wir haben es nämlich verpennt!

Und was ist jetzt Eure Meinung? Da ich mich über jede Diskussion freue gibts für jeden „ernst gemeinten“ Kommentar einen Lolly 😉

Liebe Grüße
Jörg

Comments(0)

Leave a Comment